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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Fragend blickte Potemkin den Landmann an. Ich meine, fuhr dieſer mit ernſter Stimme fort

ob Du unſerm Herrgott keine Sünde abzubitten haſt?

nicht ſeine grundloſe Barmherzigkeit anflehen willſt?

Ein unwilliges Kopfſchütteln war Potemkins Antwort.

Wie? fragte der Landmann erſtauntſo ſieheſt Du nicht ein weites, weites Feld mit Haufen von aufge⸗ thürmten Leichen, mit Strömen rauchenden Blutes vor Dir? Höreſt nicht das Wehgeſchrei unſchuldiger Frauen und Kin⸗ der, die auf Deinen Befehl ihren ermordeten Männern und Vätern nachgeſchickt werden? Und zu dieſen 30,000 Niedergemetzelten geſellen ſich Hunderttauſende Deiner und fremder Krieger, die Dich als ihren Mörder vor des Ewi⸗ gen Throne anklagen! Gedenkſt Du nicht der Seufzer, Thränen und Schweißtropfen Anderer, die an Deinem un⸗ gerecht erworbenen Mammon kleben? Vernimmſt Du nicht die Poſaunenklänge der Engel, welche Dich noch in dieſer Stunde vor Gottes Richterſtuhl hinrufen werden?

Starr und mit ſchrecklichem Ausdruck haftete Potem⸗ kins ſehendes Auge auf des Landmanns ſittenpredigendem Munde. Ein unbändiger, aber ohnmächtiger Zorn machte ſeinen Körper krampfhaft zucken. Er verſuchte zu ſprechen und ſeinen Helfer zurückzuſtoßen, aber die Glieder des Leibes verſagten ihm ihre Dienſte. Ein einziger, mißtönender Wuthſchrei, dem Gebrüll eines reißenden Thieres ähnlich, entrang ſich ſeiner Bruſt ein kurzer, ſchwerer Todeskampf und lang ſtreckte ſich Potemkin's Körper in den Armen des Landmannes aus. Dieſer ſchlug das Zeichen des Kreuzes über des Todten Antlitz und Bruſt.