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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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des Auge um ſich. Ach, alle ſeine Schätze und Würden hätte er jetzt freudig hingegeben, wenn ihm die zermalmende Laſt von ſeiner Bruſt hinweggenommen und ſein langſam und matt ſchlagendes Herz mit der alten Kraft geſtärkt worden wäre! Jeden einzelnen Tropfen eines belebenden Trankes hätte er mit einer Handvoll Brillanten oder köſt⸗ licher Perlen, ach mit einem Rittergute bezahlt! All dieſer Erdentand hatte jetzt ſeinen Werth und ſeinen Reiz ver⸗ loren. Was blieb ihm, der ſein Herz nur an das Irdiſche gehängt hatte, in dieſem Augenblicke noch übrig?

Die Gräfin hatte des Fürſten Dienerſchaft nach Aerz⸗ ten und nach einem Popen in die nächſtgelegenen Oerter fortgetrieben. Sie ſelbſt blieb bei dem Sterbenden zurück und winkte einen in der Nähe auf dem Felde arbeitenden Landmann zu ihrem Beiſtande herbei. Dieſer kam und fuhr bei Potemkins Anblick betroffen zuſammen. Jedoch faßte er ſich ſchnell und löſete willig die Gräfin ab, die das im⸗ mer ſchwerer werdende Haupt ihres Onkels nicht länger mit ihrem Arme zu halten vermochte. Bevor der Tod noch den Fürſten als ſeine gewiſſe Beute erfaßte, hatte er bereits den Unterſchied zwiſchen Fürſt und Bauer aufgehoben, in⸗ dem Potemkin nichts dagegen einwendete, daß er in den Armen eines, mit grobem Leinkittel bedeckten Leibeigenen lag.

Während die Gräfin nach dem Wagen hineilte, um dort unter ihren Sachen ein Riechfläſchchen oder ein an⸗ deres Belebungsmittel hervorzuſuchen, ſeufzten Potemkin's bleiche Lippen:Ich ſterbe!

Haſt Du, o Herr! ſprach der Landmann ergriffen

Deine Rechnung mit unſerm Herrgott abgeſchloſſen? 10*