Druckschrift 
Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

146

Denn durch ſeine Adern ſchlich das Faulfieber, welches ſeine Krieger zu Tauſenden ſchon hinweggerafft hatte und das oft noch mörderiſcher iſt als Pulver und Blei, als Bajonnet und Schwerdt. Potemkin war die Urſache des blutigen Krieges und von deſſen Verlängerung. Daher wurde er jetzt mit dem geſtraft, womit er geſündigt hatte: mit der durch den Krieg erzeugten Seuche!

Als Potemkin 6 Meilen weit von Jaſſy gelangt war, verſchlimmerte ſich ſein leidender Zuſtand mit jeder Minute. Sein ohnehin wenig gefärbtes Antlitz ward erdfahl, unge⸗ wöhnlich lang geſtreckt und bedeckte ſich mit dicken Schweiß⸗ tropfen. Röchelnd und mühſam hob und ſenkte ſich die ſchwer beängſtete Bruſt des Fürſten. Seit jenem Zwei⸗ kampfe mit dem Grafen Orlow war Potemkin's rechtes Auge unbeweglich, der Sehkraft beraubt und unheimlich ſtarr geworden. Jetzt nahm auch das linke, tief eingefallene Auge einen furchtbaren Ausdruck an, ſo daß Potemkin's mit ihm reiſende Nichte, die Gräfin Branicka, ihren Onkel nicht länger anzublicken vermochte.

Luft! Luft! keuchte Potemkin mit bläulichen Lippen hervorIch erſticke!

Er riß ſich die Kleider vorn auf der Bruſt auf, daß die Ordenskreuze in dem Wagen umhergeſtreut wurden.

Halt! knirſchte er wiederumIch will in's Freie! an die Luft! Luft!

Der Wagen hielt im ſchnellen Laufe. Man trug den Fürſten unter den nächſten Baum und legte ihn auf einen daſelbſt ausgebreiteten Teppich nieder.

Hülfeſuchend und hülfeflehend blickte Potemkin's brechen⸗