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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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145 Schmuck, von Gold und Silber, von Kryſtall und den fein⸗ ſten Spitzen flimmerte! Wie Potemkin's Lob von tauſend trunken lallenden Zungen geprieſen wurde und er, mit Brillanten überdeckt, ſelbſtgefällig und ſtolz über die Schaar ſeiner Gäſte hinſchaute!

Es war ein Gaſtmahl ähnlich dem, welches der König Belſazer ſeinen Höflingen und Schmeichlern gab. Und auch hier kam mitten in dem rauſchenden Jubel eine Hand aus der tapetengeſchmückten Wand hervor und ſchrieb mit Flammenzügen die Schreckensworte hin:Mane, mane, tekel, upharſin. Keiner von den Anweſenden erblickte jene Hand und deren Schreiberei; überdieß war kein weiſer Seher unter ihnen, welcher, wie der Prophet Daniel, jene Worte auszulegen verſtanden hätte.

Nachdem ſoeben beſchriebenen Feſte, das ſeinem Veran⸗ ſtalter 200,000 Rubel gekoſtet hatte, nöthigte Catharina II. ihren Generalfeldmarſchall, daß er gegen ſeinen Willen wieder zur Armee in's Feld zurückkehren mußte, um den Frieden mit den Türken zu vermitteln. Da aber derſelbe gegen Potemkin's Vortheil war, ſo verzögerte er die Er⸗ füllung des kaiſerlichen Auftrages, ſo lange er nur konnte. Doch nun war die göttliche Langmuth zu Ende, die dem argen Sünder ſo lange Zeit zur Buße vergönnt hatte. Die Flammenſchrift an der Wand erfüllte ſich: Potemkin's Tage waren gezählt und vollendet er auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden.

Es war am 15. October 1791, als Potemkin in aller Frühe die Stadt Jaſſy verließ, um ſich nach Oczakow zu

begeben, wo er ſich wohler befinden zu können glaubte. Potemkin. 10