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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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errichtet, in welchem dieſen Abend zwei franzöſiſche Luſt⸗ ſpiele und zwei Ballets aufgeführt wurden. Nach Be⸗ endigung derſelben war die Beleuchtung im Garten voll⸗ ſtändig zu Stande gebracht worden, wozu man 140,000 Lampen und 20,000 Wachslichter verbrauchte.

Die Kaiſerin, begleitet von dem Großfürſten und deſſen Gemahlin, von den jungen Prinzen und Prinzeſſinnen, begab ſich aus dem Theater in den Wintergarten. Hier geleitete Potemkin, der heute ein rothes Kleid und darüber einen Mantel von ſchwarzen, mehrere tauſend Rubel koſten⸗ den Spitzen trug, die Kaiſerin zu dem Tempel, auf deſſen Stufen er zu Catharina's Füßen niederſank und ihr für die ihm erwieſenen Gnadenbezeigungen dankte. Die Mo⸗ narchin hob ihn gerührt empor und küßte den großen Schau⸗ ſpieler, welcher die ganze frühere Gunſt der Kaiſerin wieder gewonnen zu haben ſich ſchmeichelte.

Während des Balles und Tanzes nahmen die Kaiſerin und die Grofßfürſtin Platz an den Spieltiſchen. Hierauf wurde geſpeiſt und zwar an der kaiſerlichen Tafel auf Gold, während die übrigen Gäſte mit Silber und theurem Por⸗ zelan ſich begnügen mußten. Welche Pracht, welcher Ueber⸗ fluß, welche Verſchwendung abermals vereint worden waren, um den Gaumen zu kitzeln und den Magen zu überfüllen! Wie der goldene und purpurne Rebenſaft in den kryſtallnen Gläſern funkelte! Wie der Schaumwein ziſchend und ſpru⸗ delnd in die unerſättlichen Kehlen hinabfloß! Wie die ein⸗ ſchmeichelnden Muſiktöne in die Heiterkeit, in den lauten Jubel, in die Toaſte der zahlreichen Gäſte ſich miſchten! Wie es aller Orten und Enden von blitzendem, theurem