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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
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Auszeichnung empfangen, jedoch wollte man bei ihr die frühere Herzlichkeit gegen ihren Günſtling vermiſſen. Auch Potemkin gewahrte die eingetretene, ihm ungünſtige Um⸗ änderung bei der Kaiſerin und er ſann daher auf ein Mittel, ſich wieder bei derſelben einzuſchmeicheln und zugleich ſeine Macht und ſeine Reichthümer ſehen zu laſſen, um die Menge dadurch zu blenden und einzuſchüchtern.

Am 9. Mai 1791 gab Potemkin abermals ein Feſt, wobei er orientaliſche Pracht und Verſchwendung zeigte. Daſſelbe wurde in ſeinem Palaſt und deſſen Garten gefeiert, den er vor Zeiten von der Kaiſerin geſchenkt erhalten, dann an dieſelbe für 460,000 Rubel verkauft und nunmehr, zur Belohnung für die Einnahme der türkiſchen Feſtung Ismail, zum zweitenmal geſchenkt bekommen hatte. Dreitauſend Gäſte der vornehmen Welt Petersburgs waren eingeladen worden, unter denen ſich auch die Kaiſerin mit ihrem Sohne, mit ihren Enkeln und ihrer Schwiegertochter befand. Als dieſe am Feſtabende in den ungeheuern Saal des Palaſtes eintrat, empfing ſie die Muſik von 300 ruſſiſchen Hörnern. Dieſelbe wechſelte mit dem Geſange lieblicher Menſchen⸗ ſtimmen ab, welche das Lob Catharina's, als der mächtig⸗ ſten Herrſcherin, verkündeten. Außer zwei prachtvollen Kronleuchtern von Kryſtal, welche 42,000 Rubel gekoſtet hatten, brannten deren noch 56 in dem Saal, auf deſſen Größe man hierdurch ſchließen kann, und überdies noch 5000 Lampen. Die Letzteren waren theils weiß, theils bunt in Geſtalt von Lilien, Roſen, Tulpen und anderen Blumengattungen, welche als Guirlanden die Säulen des Saals verbanden. Aus dem Saale trat man in vier lange