Druckschrift 
Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Reichthümer beliefen ſich auf 50 Millionen Rubel. Dabei beſaß er ungeheure weitläufige Güter, ganze Kiſten voll Edelſteine und Juwelen, den ſchönſten, an Pracht den kai⸗ ſerlichen übertreffenden Palaſt in Petersburg, aber: weder eine treue, tugendhafte Gattin, noch wohlgerathene, liebende Kinder! Daher ſammelte und geizte er ohne Zweck, höch⸗ ſtens nur für lachende Erben aus ſeiner Verwandtſchaft. Als Großadmiral und Generalfeldmarſchall fand Po⸗ temkin ſeinen Vortheil mehr in Kriegszeiten, wo ein ge⸗ naues Nachrechnen über die angeblich verwendeten Geld⸗ ſummen unmöglich iſt. Aus dieſem verdammlichen Grunde hatte er wiederholt die Türkei zum Kriege gereizt, welcher vielen Tauſenden von Kriegern das Leben und noch ungleich mehreren Menſchen den Wohlſtand und das häusliche Glück koſtete. Ein ſolcher Krieg gegen die Türken währte noch im Jahre 1791 fort, obgleich die Czarin den Frieden ſehn⸗ lichſt wünſchte und deshalb dem Oberbefehlshaber über ihre Krieger, unſern Potemkin, wiederholt befohlen hatte, mit den Feinden Frieden zu ſchließen, welchem Befehle Potemkin aber nicht nachkam. Um ihren Willen mündlich und ein⸗ dringlicher gegen den widerſpenſtigen Feldmarſchall zu wiederholen, berief Catharina II. denſelben aus dem Kriegs⸗ lager nach Petersburg, wo er am 11. März 1791 anlangte. Die gütige und ſehr nachſichtige Kaiſerin hatte, um ihren vormaligen Günſtling zu ehren und beim Guten zu erhalten, zu ſeinem Empfange den Grafen Besborodko bis Moskau entgegengeſchickt, auch von dort aus die Wege bis Peters⸗ burg, eigens für Potemkin's Reiſe, ausbeſſern laſſen. Von ſeiner Kaiſerin wurde Potemkin mit der größten