„Blaſe! blaſe!“ wiederholte Thereſe dringender.
Und der arme Alexei blies. Es war eine von den ein⸗
fachen, weichen, ſchwermüthigen ruſſiſchen Volksmelodieen, welche faſt insgeſammt aus einer Molltonart gehen und nur ſelten beruhigende Klänge aus der Durtonart untermiſchen. Die milden Flötentöne zogen lind durch die lauen Abend⸗ lüfte weit dahin und erweckten bei einem ſchon ſchlaftrunken auf einem Baume ſitzenden Vogel ein fernes Echo. Sie wirk⸗ ten gleich einem ſanften Regen auf eine von der Sonnen⸗ glut verſengte Flur: Thereſens leidenden und ſchmerzlich ver⸗ zogenen Mienen ebneten ſich und machten einer ſtillen Ruhe Platz, die ein ſeliges Lächeln des Mundes verſchönte. Als Alerei dieſen Erfolg ſeines Blaſens, über welches er vorhin ſo verächtlich geurtheilt hatte, bemerkte, blies er immer reiner und rührender.
Da— o Himmel! die Flöte entfiel ſeinen zitternden Hän⸗ den— Ha, war das nicht der Tod ſelbſt, welcher plötzlich erſchien, die arme Thereſe aus dieſem Leben abzufordern und vielleicht auch den Knaben dazu? Zwar war das unter einer ſpitzen, tief herabgehenden Filzmütze halb ſichtbare Antlitz keinem Todtenkopfe zugehörig und die fleiſchfarbige Hand umſpannte auch nicht die mörderiſche Senſe, ſondern den langen Schaft einer Pike— aber demohnerachtet war die Erſcheinung eine furchterweckende, entſetzliche.
Bevor Alexei's erſt vor Angſt zugeſchnürte Kehle wieder Luft zu einem lauten Schreckensſchrei bekam, ſchob die Er⸗ ſcheinung die Filzmütze aus dem Geſicht, warf die Pike von ſich und ſprang mit ausgebreiteten Armen und dem Freuden⸗
rufe:„Alexei! mein Sohn! Alexei!“ auf den betroffenen


