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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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zu weilen. Wie gern vertauſchte ich den ſchönſten Palaſt Potemkins gegen das Filzzelt einer Kirgiſenfamilie!

Nun, ſo laß uns doch zu den Kirgiſen gehen ſprach Alexei eifrig.

Ich bin gleich dabei entgegnete Thereſe, trotz ihrer Gefahr lächelnd.Aber weißt du den Weg zu ihren Wohnſitzen? Oder meinſt du, daß es nur ein Katzenſprung bis zu ihnen ſei? Dein Vater ſagte mir, daß die Kirgiſen auf dem linken Ufer des Ural wohnen und daß bis dahin viele, viele Tagereiſen erforderlich ſeien. Nur wenn wir die Ge⸗ ſandtſchaft, bei welcher deine Aeltern ſind, einholen können, iſt uns geholfen. Aber hierzu iſt keine Hoffnung vorhanden, da die heimkehrenden Kirgiſen um mehrere Tagereiſen uns voraus und überdieß beritten find.

Dieſe Erklärung Thereſens übte auf Alexei eine ſehr niederſchlagende Wirkung aus. Er hätte lieber zu weinen angefangen. Thereſe tröſtete den Knaben, indem ſie anhob: Verlieren wir weder den Muth, noch die Hoffnung. Eins iſt uns ja ſchon geglückt: unſere Befreiung aus drückenden Selavenketten und von einer harten, uns drohenden Strafe. Unſer Herrgott wird wohl weiter helfen, und Schlimmeres als der Tod kann uns nicht werden und auf denſelben habe ich mich längſt ſchon gefaßt gemacht, ja ſogar gefreut.

Sie wanderten in der Richtung nach Morgen fort, die ſie aus dem Stande der Sonne auffanden. Thereſe entdeckte in ihrer Taſche ein Stück trocknes Brod, das ſie ſchweſter⸗ lich mit Alexei theilte. Da ſie überdieß reife Erdbeeren, ihnen bekannte Wurzeln und Trinkwaſſer auffanden, ſo waren ſie vor der Hand gegen das Verhungern und Verdurſten bewahrt.