Druckschrift 
Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

124

nicht zu geſtatten, daß ſie die Stadt betrete und e haufſuche. Freilich koſtete ihm und deiner Mutter Enthaltſamkeit große Ueberwindung. Ein glü klicher Zufall war's, daß dein Vater meine Anweſenheit * bei der Balletgeſellſchaft erfuhr. Wie du weißt, bin ich 8 deiner Mutter blutsverwandt und von Kindheit an deren treueſte Freundin geweſen. Daher bat ich Lubetzkoi, daß er dich ferner als Flötenbläſer bei uns belaſſen und deine Rück⸗ kehr zur fürſtlichen Kapelle verhindern möchte, was auch ge⸗ ſchah. Hierdurch ward es deinen Eltern, die nach deines Vaters Rückkehr aus Kiew in unſerer Nähe verweilten, möglich, in jener dir erinnerlichen Nacht dich wenigſtens ſchlafend zu ſehen; dir einige Küſſe aufzuhauchen und dich zu ſegnen. Dn wurdeſt darüber munter und— horch! hörſt du nicht viele eilige Tritte?“

Erſchrocken blickte Alexei umher. Ha! dort kam ein ſtarker Trupp Landleute mit ſchnellen Schritten herbei, die ſich lebhaft unterhielten und auf die Umgebung nicht zu achten ſchienen. Thereſe und Alexei warfen ſich hinter einen Hage⸗

buttenſtrauche platt auf den Erdboden nieder und warteten mit verhaltenem Athem des Weiteren.

Unter lautem Geplauder gingen ſie in der Verſteckten Nähe vorüber. „So geſcheidt“— ſagte ein junger Bauer—„konnten wir längſt ſchon ſein. Mußten wir erſt darauf warten, daß es uns der zweibeinige Springhaſe und ihr Muſikant vor⸗ mache?“

„Nun, wir konnten keine beſſere Gelegenheit bekommen“—