war vergeſſen, als ſie ſich endlich mit ihrem Manne, deinem
Vater, wieder vereinigt ſah. Auch dein Vater fühlte ſich nicht mehr ſo unglücklich als vorher, und Arm in Arm wan⸗ derten ſie mit ihren zahlreichen Leidensgefährten weiter, welche die Aufopferung und unerſchütterliche Treue deiner Mutter mit Recht bewunderten und lobten. Selbſt die Koſaken, die den Zu der Gefangenen geleiteten und be⸗ wachten, fueip dem Edelſinn und der Thatkraft einer armen Leieigenen bewegt und geſtatteten dem wieder⸗ vereinigten Chepaare manche Freiheit und bewachten es weniger ſcharf als deſſen Gefährten. Als der Zug an der Gränze Europa's anlangte, die Gegend öder und weit hin unangebaut wurde und eine Flucht der Gefangenen nicht mehr denkbar war, minderte ſich die Wachſamkeit der Ko⸗ ſaken, ja es ſchien, als gäben ſie gefliſſentlich deinen Eltern die Gelegenheit zum Entfliehen, welche jene auch endlich be— nutzten und glücklich ihren Wächtern entrannen. Aber ſie befanden ſich in einem Lande, wo menſchliche Wohnungen und menſchlicher Beiſtand ihnen fern war. Lange mußten ſie die härteſten Entbehrungen und Anſtrengungen ertragen, bis ſie endlich, ihren Leiden faſt erliegend, auf eine wan⸗ dernde Kirgiſenhorde ſtießen, die deine verſchmachteten Ael⸗ tern gaſtfreundlich aufnahmen und ihre Filzzelte, ſo wie ihre einfachen Nahrungsmittel mit ihnen theilten. Sie blieben bei den ungebildeten, aber wackern Naturmenſchen, wander⸗ ten mit ihnen von Huth zu Huth, unterrichteten ſie und ihre Kinder in allerlei Künſten und Geſchicklichkeiten und eigneten ſich dagegen wiederum die Fertigkeiten und Vortheile zu, welche den Nomadenvölkern eigen ſind. Als ſpäter die Kir⸗


