121 als gäbe mir das Stückchen Rundholz in der Hand erſt recht die Kraft zum Rennen und überdies iſt ja die Flöte für mich, was die Waffe für den Soldaten und für den Schnei⸗ der die Nähnadel iſt. Doch, Thereſe, wohin nehmen wir unſern Weg? Am allerliebſten wäre mir's, wenn es zu meinen lieben Aeltern gänge.“
„Ich habe mich unter der Hand und in aller Stille bei den Landleuten, die mit uns die Kaiſerin hinters Licht führen helfen mußn nach der Umgegend und den nächſten Oertern erkundigt“— antwortete Thereſe—„und erfahren, daß wir lange wandern müſſen, bevor wir auf ein Dorf oder eine Stadt ſtoßen werden. Ohnehin müſſen wir die Menſchen zu vermeiden ſuchen, die hier in der Nähe uns leicht einfangen und an Potemkin's Häſcher ausliefern könnten. Daher werden wir vielleicht ein paar Tage nicht viel zu brocken und zu beißen finden, was wir aber geduldig ertragen müſſen.“
„Das will ich gern“— entgegnete Alexei—„wenn du mir verſprechen könnteſt, daß ich zu meinen Aeltern käme. Ach, Thereſe, ſage mir die reine Wahrheit: war jener Kir⸗ giſe mein Vater oder nicht? Und hat mich meine Mutter nur im Traume geſtreichelt und geküßt oder in der Wirk⸗ lichkeit.“
„Jetzt darf ich Dir Alles ſagen,“— verſetzte Thereſe —„ja, jener Kirgiſe war dein Vater! Auf dem weiten Wege nach Sibirien holte deine brave Mutter ihren Mann ein. Ihre Füße bluteten von der langen Fußreiſe und ver⸗ fallen war ihre Geſtalt vom Gram, von den erlittenen Ent⸗ behrungen und den beſtandenen Anſtrengungen. Aber Alles
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