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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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buckel machen, muß vor ihnen meine Thüren und Schränke weit öffnen, ja muß ihnen mein Eigenthum ſogar noch ins Haus tragen, obſchon ich beſtimmt weiß, daß ich keinen Hel⸗ ler dafür erhalte. Solche Leute, die ſchlimmer als ein Dieb ſind, der oft nur aus großer Noth ſtiehlt, wollen obendrein noch hoch geehrt, ja vergöttert ſein. Sie blicken voll Stolz und Verachtung auf die ehrlichen Leute herab. Vorhin war ein gemeiner Bauer und ehemaliger Leibeigener Potemkins bei mir und handelte etliche Henkelducaten für ſein Weib ein. Er hat mich redlich und mit dem ſaueren Schweiß ſeiner Arbeit bezahlt. Darum iſt mir aber auch ſein kleiner Finger lieber, als der ganze mächtige Fürſt Potemkin.

Kannſt du den Fürſten nicht bei der Obrigkeit verklagen, wenn er dich nicht bezahlt? fragte Johanna.Es muß doch noch Gerechtigkeit im Lande geben?

Alle Stellen und Aemter von Einfluß hat Potemkin mit ſeinen Creaturen beſetzt antwortete der Vater.Und wenn es ja noch etliche Redliche unter ihnen giebt, ſo wagen ſie nichts gegen den gefürchteten Fürſten zu unternehmen.

An deiner Stelle klagte ich bei unſrer Kaiſerin! rief Johanna voll Feuer.

Wie willſt du bis zu ihr dringen fragte der Vater da ſie von Potemkins Creaturen dicht umzingelt iſt und von ihm ſelbſt am ärgſten betrogen wird? Glaubt mir, Kinder, daß alle die, welchen Potemkin die Bezahlung ſchuldig geblie⸗ ben iſt, vielfach ſich bemüht haben, ihr Geld zu erlangen; aber ſtets vergeblich. Und darunter waren Männer von hoher Geburt und großem Einfluß. Potemkin hat zum Bei⸗ ſpiel die großen Güter der verſtorbenen Fürſten Lubomirsky