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Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
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wundene und vorgeſpannte Selaven. Darum war ſein Blick auf ſie hernieder ein verächtlicher, der aber einen ganz andern Ausdruck annahm, als er ihn der Kaiſerſtadt vor ſich zu⸗ wendete. Stolz und inniges Wohlbehagen ſchwellten Po⸗ temkins Buſen bei der Betrachtung Petersburgs, das dort mit ſeinen Prachtbauten den Erdboden bedeckte. Gold⸗ glänzend und ſchimmernd ſtiegen die Kuppeln der Tempel und Paläſte i in die blaue Luft empor und der breite Strom wand ſich wie ein leuchtendes Silberband durch ſie hin. Dort in ihrem Marmorpalaſte wohnte die Beherrſcherin des größten europäiſchen Reichs und er, Potemkin, beherrſchte wiederum die Kaiſerin und mit ihr zugleich das weite, unermeßliche Rußland! Die kühnſten Entwürfe und Hoffnungen durch⸗ kreuzten in dieſem Augenblicke ſein Gehirn. War er nicht

aus einem armen, niederen Fähndrich bereits zum unum⸗ ſchränkt gebietenden Staatsminiſter, Feldmarſchall und Für⸗ ſten geworden? Ha! vielleicht gelang es ihm wohl gar noch, 4 die gütige Kaiſerin dahin zu bewegen, daß ſie ihn zu ihrem Gemahl und Kaiſer ernannte, damit er dann offen befehlen durfte, was er jetzt nur mit dem Schein der Unterwürfigkeit der Kaiſerin vorſchlagen konnte? Es dünkte ihm, daß nicht Peters des Großen ehernes Reiterbild, ſondern ſein eignes i it krönen ſolle, die er jetzt lebend einnahm. Im i in Abbild ſchon inmitten Petersburgs auf⸗ der Nachwelt angeſtaunt. otemkin eine Weile lang mit ſolchen hoch⸗ ſeinen Stolz gekitzelt hatte, brachte ein en Coloß zum Stillſtehen. Bevor er arf er zwei Hände voll Ducaten unter