Druckschrift 
Potemkin oder Herr und Leibeigener : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhunder / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 glanz der göttlichen Allmacht, den ſie geſchenkt bekommen haben, denn ſo ſchnell geht es bei ihnen nicht wie bei dem 6 Allmächtigen, von dem es heißt:Wenn er gebeut, ſo ſteht 1 es da, undAlles iſt durch das Wort des Herrn gemacht. Jener Mann hieß Peter und war von Gott zum Herrn über das große Ruſſenreich geſetzt worden. Derſelbe erachtete dafür, daß es gut ſei, wenn der Sumpf mit ſeinem Gewürm einer ſtolzen Kaiſerſtadt wiche. Darum that er ſeinen Mund auf und gab dieſen ſeinen Willen kund Sogleich wimmelte die ganze Gegend umher von vielen Tauſend Arbeitern, welche die Umzauberung bewirken ſollten. Andere Tauſende, aus leibeigenen Bauern beſtehend, ſchleppten in ihren langen und weiten Kitteln Erde herbei, mit welcher ſie den Sumpf ausfüllten. Erſchrocken flüchteten Unken, Fröſche, Kiebitz, Rohrdommel und Storch, während die übrigen Sumpfbe⸗ wohner unter der aufgeſchütteten Erde begraben wurden. Bald erhoben ſich aus dem vormaligen Moorboden die feſten* Mauern ſtolzer Paläſte, Kirchen und Häuſer, die in langen und breiten Linien ſich gleich Rieſenarmen ausſtreckten Da⸗ mit die Newa ihr Bett nicht mehr überſchreite, ward ſie mit granitſteinernen Ufermauern umgürtet, und um die neu geſchaffene Kniſerſtadt vor feindlichen Ueberfällen zu ſchützen, errichtete Peter I. das feſte Kronſlot. Bei deſſen Erbauung gingen zwar 8000 Menſchen und mindeſtens eben ſo viele Pferde zu Grunde, allein ſchon nach Jahresfriſt donnerten Kanonen von den fertigen Wällen herab. Nochmehr Men⸗ chenleben aber koſtete die Stadt Petersburg ſelbſt, indem zahlloſe Arbeiter und Bauern ihr Ende durch Näſſe, Kälte, ungeheure Anſtrengung und Fauffieber fa en. a, w