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Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
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ſund ausſehendes Antlitz ausgebreitet und das ſcheue, niedergedrückte und ängſtliche Weſen war verſchwunden. Jedermann ſchätzte nun wieder den beſcheidenen, höflichen und fleißigen Mann und zwar um ſo höher, als man einſah, welche große Selbſtüberwindung und Beharr⸗ lichkeit eine ſolche Wiedergeburt erfordere.

An dem Jahrestage der Rückkehr Freunds aus der Strafanſtalt war große Bewegung in deſſen Hauſe. Es wurde gekehrt, geſcheuert, gebraten, gekocht und gebacken. Frau Freund ſchmückte ihre Wohnſtube aufs Beſte, ließ ihren Kindern die Sonntagskleidung anlegen, Wein⸗ flaſchen herbeiholen und bereitete eine große Abendtafel vor, deren weißes Gedeck nebſt dem blanken Zinngeräthe gar herrlich in dem Glanze der vielen aufgeſteckten Lichter ſchimmerte. Später ſendete Frau Freund ihre Tochter Hannchen hinüber zum Kupferſchmidt mit der Botſchaft: Kommt, denn Alles iſt bereitet!

Darauf nahm das feſtlich angezogene Chepaar Hüf⸗ ner den nicht minder geputzten Freund unter die Arme und führten ihn, wie einſt die beiden Engel den frommen Lot aus Sodom, hinüber in ſein oder vielmehr in Hein⸗ richs Haus. Heinrich und Herrmann dagegen thaten mit Hannchen, wie ihre Aeltern mit deren Vater. Meiſter Freund, welcher gar wohl wußte, welch' ein bedeutungs⸗ voller Tag der heutige ſei, und ſich nur zu ſehr daran erinnerte, in welchem Zuſtande er zu derſelben Zeit im vorigen Jahre zum Meiſter Hüfner gekommen, war tief bewegt und darum ſtumm. Er weigerte ſich, den ihm