„Wohin wollt Ihr?“— fragte Hüfner verwun⸗ dert—„wenn Ihr nicht zu den Euern geht?“
„Wohin?“— antwortete Freund und ſeine Lippen zuckten krampfhaft— in das Reich des Armen, des Verlaſſenen— des Ausgeſtoßenen! In die freie, weite Welt! Beſitze ich doch nicht mehr ſo viel, wohin ich mein Haupt betten könnte.“
„Halt!“— rief Hüfner entſchloſſen.—„Ich laſſe Euch nicht fort. Jeſus nimmt die Sünder an, und ich, ſelbſt ein Sünder, ſollte Euch von mir laſſen ungetröſtet, unerquickt und obdachlos? Ihr ſeid heute mein Gaſt und ich werde die Geſinnung Eurer Frau gegen Euch zu erforſchen ſuchen. Ihr habt alſo Eure Strafzeit überſtanden und ſeid frei?“
„Frei am äußerlichen Menſchen“— verſetzte Freund — ob aber auch am innerlichen? Das wage ich nicht zu behaupten. Die Gnade meines Landesherrn hat mir ein Jahr an meiner Strafzeit erlaſſen. Doch was nun anfangen ohne einen ehrlichen Namen? Ach, warum bin ich nicht geſtorben?“
„Warum?“— ſagte Hüfner eifrig—„Damit Ihr durch ein bußfertiges Leben Euer früheres, tadelnswer⸗ thes wieder gut macht. Dann erſt könnt Ihr den Tod getroſt erwarten. Doch kommt mit mir in meine Wohn⸗ ſtube. Es iſt hier zu friſch für Euch und dann werdet Ihr auch einer Erquickung benöthigt ſein.“
Rit niedergeſchlagenen Augen trat Freund an Hüf⸗


