Druckschrift 
Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

126

erführt, daß ihm kein Apfel weiter geſtohlen worden iſt und daß wir die Urſache davon ſind. Wir haben ihm einmal wehe gethan: ſo wollen wir ihm dafür auch eine Freude machen. Wir erhalten ihm doch min⸗ deſtens die fünfzig Thaler, die er uns abgeborgt hat und um deren Wiederbezahlung er gewiß ſehr ſorgen wird.“

Es ward dem Herrmann nicht wenig ſauer, das ſchöne, warme Bette im Stiche zu laſſen und hinanszu⸗ gehen in die kühlk, dunkle Morgenluft. Allein er wollte ſeinem Bruder nicht nachſtehen und darum überwand er ſeine Luſt und begleitete jenen. Unterwegs ſprach Hein⸗ rich:„Es iſt ſchade, daß wir keine Flinte haben. Ich machte mir eben kein Gewiſſen daraus, einem Obſtdiebe die Beine voll Schrot zu knallen. Wer heißts ihm zu ſtehlen?“

„Womit wollen wir uns aber wehren?“ verſetzte Herrmann—„wenn uns ein Kerl oder über den Hals kommen?“

„Womit?“ erwiederte Heinrich:„Erſtens: mit Schreien. Zweitens: mit Steinwerfen. Hei, ich will die Spitzbuben bombardiren, daß ihnen das Mauſen vergehen ſoll. Ueberdies haben die Diebe in der Regel kein Herz und reißen aus, ſobald ſie ſehen, daß ihnen jemand aufpaßt. Du weißt, Herrmann, daß wir im Schreien unſern Mann ſtellen. Wir ſchreien die garze Nachbarſchaft auf und die Diebe davon.“

Dazu kam es jedoch nicht. Es zeigte ſich kein