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Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
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iſt es nur eine kurze Freude.—„Sieh, Hannchen, dieſe abgefallenen Blüthen kommen mir vor wie kleine Kinder, von denen vftmals auch die Hälfte ſtirbt, ehe ſie das erſte Jahr erreichen. Da iſt auch die Freude der Aeltern kurz, und trauernd fragen ſie: Warum, lieber Gott, haſt du uns ſo ſchnell die Kinder wieder genommen? Und nun ſieh, Hannchen, welch' eine Menge halbwüchſener Aepfel und Birnen hier im Graſe liegen! Der Wurm hat ſie angebohrt. Der böſe Wurm. Er wird machen, daß ich nicht den ſechſten Theil des verhofften Obſtſegens erlange. Ach, ſelbſt das todte Obſt hat ſeine Todfeinde, gleichwie der Menſch das zahlloſe Heer der Krankheiten.“

Demohnerachtet hingen immer noch die Aeſte voll Früchte gleich den Zwiebelreihen. Der nahende Herbſt malte die Birnen gelb und den Aepfeln ſchöne, rothe Wangen. Krumbt mußte hin und wieder Stützen an⸗ bringen, um das Brechen der ſchwerbeladenen Aeſte zu verhüten. Im Geiſte aß er bereits von dem ſaftigen, herrlichen Obſte, ſah er die hohen Haufen Birnen und Aepfel vor ſich liegen, Frau und Kinder mit Schälen beſchäftigt, den Backofen vullgeſtopft, roch er den ſüßen Duft des dörrenden Obſtes und ſah dieſes ſpäter in blankes Silber verwandelt.

Aber auch hier wiederum kam der Teufel und ſäete Unkraut nnter den Weizen. Dieſer Teufel waren— — Obſtdiebe, welche es abſonderlich auf Krumbts Bäume abgeſehen hatten. Ob dieſes geſchah, weil ſie den Pachter entfernt wohnen wußten, oder ob ſie ſonſt einen andern

Nieritz. Die Nachbarn. 8