Druckschrift 
Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

112

vierzehntes Rapitel.

Der Schreck.

Der Platzbäcker war unbeſchreiblich glücklich, als der große, ſchöne Garten mit ſeinem verheißenden Obſt⸗ ſegen pachtweiſe ihm zugeſprochen worden war. Jede freie Stunde brachte er in demſelben, welcher ein ziemliches Stück von ſeiner Wohnung entfernt lag, zu und dann erbaute er Luftſchlöſſer gleich dem Milchmädchen in der Fabel. Aber da mit dem Beſitze jeglichen Erdengutes irgend ein kleineres oder größeres Weh verknüpft iſt, ſo war auch Krumbts Freude nicht vollkommen.

„Hannchen“— ſprach er eines Tages, als er mit ſeiner Nichte im Garten ſich befand—„ich ſage dir: es war eine Pracht, den Garten in ſeiner Blüthe zu ſehen. Die Birnenbäume weiß wie gefallener Schnee und die Aepfelbäume mit lauter Roſen bedeckt! Brechen hätten ſie müſſen, wenn aus jeder Blüthe eine Frucht geworden wäre. Aber da ſchneite es Blüthen auf Blü⸗ then und nicht ein Dritttheil iſt oben geblieben. Warum nur der liebe Gott erſt ſo viele Blüthen hat werden laſſen, da ſie doch taub abfallen?“

„Warum?“— verſetzte Hannchen.—„Nun, da⸗ mit der Menſch ſeine Freude an dem ſchönen Anblicke der vielen Blüthen haben ſoll.“

„Das kann ſchon ſein“— ſprach Krumbt—„doch