Druckschrift 
Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

96

Die Meiſterin ſuchte zwar ihren Mann zu beru⸗ higen, allein ſie ſelbſt ſah keinen Ausweg, wie die S glücklich zu beendigen ſei.

Mittlerweile erhielt Heinrich ſeine 10 Thaler Be⸗ lohnung ausgezahlt. Der Rathsbote Andrich, welcher bei der Auszahlung zugegen geweſen war, ſagte hierauf zu jenem:„Nun, Junge! was wirſt du mit dem vielen Gelde anfangen? Vernaſchen, verjubeln, he?“

„Mit nichten!“— verſetzte Heinrich.„Ich weiß längſt ſchon, was ich mit dem Gelde anfange.“

„Höre!“— ſprach Andrich—„nimm von mir einen guten Rath an. Du erinnerſt dich, daß ohne mei⸗ nen guten Rath du keinen Pfennig für Freunds Rettung erhalten hätteſt. Alſo folge mir auch dießmal. Sieh, hier habe ich von meinem Schwager Funke, dem Sub⸗ collecteur, ein Kauflvos der fürſtlich Reuß⸗Gera'ſchen Klaſſenlotterie.“

„Reiß⸗ Greiz⸗ Schleiz⸗ Lobenſtein“— unterbrach ihn lachend Heinrich—„gehet in ein Mäuſeloch hinein, könnte darum etwas größer ſein.“

„Ei, wenn du dummer Junge doch dieſes Reiß⸗ Greiz beſäßeſt“— rief Andrich geärgert aus.„Oder wenigſtens das große Loos der Reußiſchen Lotterie ge⸗

wönneſt. Zehntauſend Thaler! Gelt, das ſollte dir

ſchmecken? Hier iſt das Loos, welches dir zu dieſem unmenſchlichen Glücke verhelfen kann. Nimm und be⸗ zahle es mit lumpigen 4 Thalern und 13 Groſchen. Du wirſts nimmer bereuen, mir abermals gefolgt zu

————