Druckschrift 
Die Nachbarn : eine Jugend- und Volks-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

95

daß das Haus ſeine vollen 19 hundert Thaler werth iſt und daß Meiſter Freund ſelbſt 17 hundert dafür bezahlt hat. Wie mußte ich daher ſtaunen, als das höchſte Angebot nur 1325 Thaler betrug und hierauf niemand mehr bieten wollte. Mich jammerte es, als ich bedachte, wie bei dieſer Kaufſumme kaum die Gläubiger Freunds zu ihrem Gelde kommen würden, und wie dann für die arme Frau und deren Kinder gar nichts übrig bleiben und ſie nackt und bloß aus ihrem bisherigen Beſitzthume getrieben werden würden. Da, in dem Augenblicke, wo die zwölfte Stunde zum Schlagen aushob und mit dem letzten Glockenſchalle der Hammer dem Meiſtbietenden das Haus zuſchlagen ſollte: da nahm ich mit bebender Hand die Feder und ſchrieb 1330 Thaler! Das Haus iſt nun mein. Aber wovon daſſelbe bezahlen, weiß ich noch nicht. Die 133 Thaler, welche ich als den zehnten Theil der Kaufſumme ſogleich entrichten mußte, hatte ich zwar vorräthig. In vier Wochen aber muß das erſte Drittheil vollſtändig abgetragen werden, während zu Abzahlung der andern zwei Drittheile mir, gegen vier⸗ procentige Verzinſung, eine Friſt von zehn Jahren zu⸗ geſtanden worden iſt. Unſer Haus gehört nicht mir, ſondern dir und deinen Söhnen. Daher kann ich dar⸗ auf keine Hypothekenſchuld aufnehmen, und auf mein bloßes Wort und ehrliches Geſicht wird mir ſchwerlich jemand vierhundert Thaler leihen. Richt wahr, Frau, ich habe einen dummen Streich gemacht, der mir manche ſchafloſe Nacht koſten wird?“