92
empor. Bevor er dem Ufer zuſteuerte, ſprudelte er in gewohnter Taucherweiſe und rieb ſich mit den Händen das Waſſer aus dem Geſichte. Dann erſt ſtieg er aus dem Fluſſe.
„Ich fand das verſchimmelte Ding gar bald“— ſprach er fröhlich—„und gedachte erſt, es von dem Schlamme inwendig zu befreien. Weil es aber dann leicht hätte fortgeſchwemmt werden, ſo zog ich das Ge⸗ wiſſe vor und band die Leine an die Handhabe feſt. Nun laß uns den Fund zu Tage fördern. Dann wirſt du gewiß große Augen machen.“
Die Brüder zogen hierauf eben ſo behutſam an der Leine, wie ein Angler an ſeiner Angelruthe, wenn ſich ein ungewöhnlich großer und ſchwerer Fiſch an der dünnen Angelſchnur gefangen hat. So glückte es ihnen, beſſer als vorhin dem Fiſcher Weber, ihre Beute an das Ufer zu ſchaffen. Hier wurde vor allen Dingen der erangelte Aſch oder Hafen ſeines Ballaſtes entledigt. Nachdem dieß geſchehen war, fragte Heinrich mit triumphirender Miene ſeinen Bruder:
„Nun? erkennſt du das verlorene Schaaf wieder?“
„Wie meinſt du denn das?“ antwortete Herrmann kopfſchüttelnd, indem er den Fund mit ſeinen Blicken verſchlang.
„Biſt du mit Blindheit geſchlagen?“— rief Hein⸗ rich aus.„Es iſt ja unſer Kupferſchmidtszeichen, das vor Jahr und Tag von der Eiſenſtange über unſrer Hausthüre verſchwunden war,— derſelbe Fiſchkeſſel,


