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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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derum hallte Hörnerklang durch die Winterluft. Aber es tönte nicht wie ein muntrer Morgengruß, ſondern trau⸗ rig wie bei dem Begräbniß eines Kriegers. Die badiſchen Jäger machten ſich marſchfertig, beluden ſich mit ihren Waffen, ihrem Torniſter und Mantel, reichten ihren Wirths⸗ leuten ernſt die Hand und ſchritten gedankenvoll dem Marktplatze, dem beſtimmten Sammelorte, zu.

Der Augenblick der Entſcheidung nahete. Die Hers⸗ felder verſammelten nach dem Abmarſch der einquartirt geweſenen Krieger die Ihrigen um ſich, überzählten deren Häupter, nahmen mit kummervollen Blicken Abſchied von ihren Wohnungen und harrten dann mit angſtvoller Er⸗ wartung der Dinge, die da kommen ſollten. Keiner Hausfrau war es eingefallen, heute das Frühſtück in ge⸗ wohnter Weiſe zu bereiten und mit den Ihrigen zu verzehren.

Als das Bataillon vollzählig beiſammen war, trat der Oberſtleutnant Lingg vor deſſen breiter Fronte hin. Sein Antlitz war ungewöhnlich ernſt und ſeine Stimme zeugte von tiefer, innerer Bewegung, wiewohl ſie kräftig und laut über das Bataillon hin ertönte.

Kameraden! hob er anhat irgend einer von euch über ſeine hieſigen Wirthsleute, über Vernachläſſigung, üble Behandlung, ſchlechte oder unzulängliche Beköſtigung

oder über irgend eine andere Unbill von Seiten der

Hersfelder ſich zu beſchweren? Ich verlange freie und wahrheittreue Anzeige von euch!

Nein! erſcholl es wie mit einer Stimme durch alle Reihen und aus mehr wie einem halben Tauſend Kehlen.