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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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118.

Ehrgefühl, welches ſelten ganz in dem Herzen auch des gemeinſten und ſchlechteſten Menſchen verlöſcht, läßt aber den Soldaten für das ſchändende WortStehlen und Rauben den milderen AusdruckPlündern gebrauchen. Wie das Plündern ausgeführt wird, fragſt Du? Sieh, mein Junge! wenn die Soldaten ein Haus ausplündern wollen und deſſen Thüren verſchloſſen finden, ſo ſchlagen ſie ſolche mit den Flintenkolben ein. Eben ſo machen ſie es mit den Kommoden, Schränken, Koffern, Truhen, deren Fächer und Käſten ſie dann herausziehen, um in den darin befindlichen Sachen zu wühlen. Finden ſie kein Geld oder keine Koſtbarkeiten, ſo bedrohen ſie deren recht⸗ mäßigen Beſitzer, ſetzen ihnen die Säbel⸗ oder Bajonnet⸗ ſpitze auf die Bruſt, ſchlagen, raufen, ſtechen, hauen, wer⸗ fen ſie zu Boden, treten ſie mit Füßen oder martern ſie auf noch ſchlimmere Weiſe, um von ihnen den Ort zu erfahren, wo ſie ihre Schätze verſteckt haben. Dann be⸗ laden ſie ſich und wohl auch die Hausbewohner mit der gemachten Beute, ſo daß dieſe ihre eigene Habe den Plünderern in Sicherheit bringen helfen müſſen. Was die Soldaten nicht brauchen oder nicht mitnehmen kön⸗ nen, das vernichten ſie. Die Federbetten, die Mehl⸗ und Getreideſäcke ſchlitzen ſie auf und ſtreuen ihren Inhalt am Boden umher. Die theuern Geräthe zerhauen, das Porzelain, die Spiegel und das Thongeſchirr zerſchlagen ſie kurz, die ächten Plünderer verfahren grauſamer noch als die verhärtetſten Räuber.

Machen Sie den Kindern nicht ohne Noth angſt ſprach Woller verweiſend.Es iſt ſo ſchon genug des