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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Zürnenden zu beruhigen. Durch die dünne Zwiſchen⸗ wand vernahm Frau Woller die Worte:Lieber Bold, ſchone doch dein krankes, elendes Kind und beunruhige unſere Nachbarn nicht, deren jüngſtes Kind von einem Pferde getreten worden iſt und der Ruhe pflegen ſoll. Ei, was ſchere ich mich um alle elenden und ge⸗ tenen Würmer in der Welt! verſetzte der Mann. Bis tief in die Nacht hinein habe ich mich geſchunden. um bei der Theuerung das tägliche Brot zu erſchwingen. Und nun ich müde und hungrig nach Hauſe komme, finde ich meine Wohnung feſt verſchloſſen und Frau und Kind auf der faulen Bärenhaut liegen. Dazu ſoll ich ſtill ſchweigen? Iſt das der Lohn und Dank für mein ſau⸗ res Schaffen, he?

Dein Eſſen ſteht hier auf dem Tiſch und die halbe Kanne Bier dabei, verſetzte die Frau.Um das theure Oel nicht zu verbrennen, ſaß ich im Finſtern und war nur eben eingenickt, als du kamſt. Du ſelbſt haſt mir geboten, die Thüre nicht unverriegelt zu laſſen und kannſt wohl kaum eine halbe Minute draußen gewartet haben. Warum plageſt du dich aber auch bis ſpät in die Nacht hinein? Du wirſt deine Geſundheit dadurch aufreiben. Du verdienſt wenigſtens noch einmal ſo viel als Wollers und gleichwohl verthun wir nicht ſo viel als dieſe, da wir nur ihrer drei und ſie ihrer ſechs ſind, überdieß Gun⸗ del ſo gut wie nichts zu ſich nimmt.

Rede mir nichts von Wollers, dieſem lüderlichen, Alles verpampenden Volke vor, das nur an heute, nicht an morgen denkt erwiederte Bold.Dank wiſſen