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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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und ihr ein Wundfieber zugezogen hatte. Daſſelbe be⸗ wirkte, daß die Kleine laut im Schlafe ſprach, ſchrie, weinte, auch wohl lachte, und ſich unruhig umherwarf. Das Letztere und eine Verſchlimmerung des verwundeten Gliedes zu verhüten, brachte Frau Woller die Nacht wachend an dem Lager ihres Kindes zu. Die Kraft hierzu verlieh ihr allein die zärtlich beſorgte Mutterliebe, ſo d ſie trotz ihrer großen Müdigkeit und Schlafſucht das Mu terauge offen zu erhalten vermochte. Zwar hatte ſich Woller zum Krankenwächter erboten, doch ſeine Frau die⸗ ſes Anerbieten zurückgewieſen, weil, wie geſagt, die Mut⸗ terliebe ſtärker, ſorglicher und ſanfter waltend iſt als jede andere Kraft.

Frau Woller hatte eine gute Erziehung gehabt und war gebildeter als man ihrem niederen Stande zugetraut hätte. Sie ließ die Bilder des heutigen Tages, ſo wie ihr ganzes bisheriges Leben, vor ihren geißigen Augen vorübergehen und fand genügende Urſache, mit vollem Herzen der göttlichen Fürſehung zu danken. So ruhig und ſtill es um ſie her war, ward es auch in ihrem Innern. Dieſe Sabbathruhe wurde jedoch unterbrochen, indem ſtark tönende Tritte die Holztreppe heraufſtampften, mit harter Fauſt an die Thüre der Nachbarwohnung ge⸗ pocht wurde, und als dieſe nicht ſogleich ſich öffnete, eine grobe Mannsſtimme wild zu fluchen und ſchimpfen begann. Dieſes Fluchen und Schimpfen währte auch dann noch fort, nachdem der Mann in die Stube getreten war und deren Thüre ſchallend hinter ſich zugeſchlagen

hatte. Eine bittende Frauenſtimme ſuchte vergeblich den