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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Warum aber hält denn unſer Kurfürſt ſo viele Reiterregimenter und Soldaten, wenn ſie ſo viel koſten? * fragte Herrmann.

Damit kein Feind ihm das Land nehmen kann,

antwortete Frau Woller.

Wer und wo iſt der Feind? forſchte Herrmann

weiter.

Das weiß man nicht voraus erwiederte die Mutter.

Gewöhnlich iſt's ein mächtiger Herr, der an dem, was rer beſitzt, nicht genug hat und darum nach fremdem Gute und Lande trachtet.

O! rief Herrmann voll Verwunderung,ich dachte

immer, daß nur arme Leute und aus Noth lange Finger machten. Ei, da ſollte man doch einen ſolchen mäch⸗ igen Herrn auf die langen Finger ſchlagen, daß ihm das Wiederkommen vergänge. Dezu ſind eben die Soldaten da verſetzte Frau Woller.Aber gewöhnlich ſehen ſich die mächtigen Her⸗ ren, wenn ſie nach anderen Ländern ſtreben, wohlweislich vor, daß man ſie nicht auf ihre langen Finger ſchlagen kann. Sie laſſen nämlich durch ihre Leute die gebratenen Kaſtanien aus dem Feuer holen und verzehren ſie dann in aller Ruhe. Zwar weiß ich einen mächtigen Herrn, der ſich ſchon mehrmals die gebratenen Kaſtanien ſelbſt und aus dem dickſten Feuer geholt hat. Das iſt der franzöſiſche Kaiſer Napoleon. Während dieſes Geſprächs waren der Huſarenleutnant und deſſen Reitknecht der Familie aus dem Geſicht ge⸗ kommen. Dafür zeigte ſich derſelben beim Weitergehen

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