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Lingg von Linggenfeld : ein deutscher Biedermann / von Gustav Nieritz
Entstehung
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ſich nicht um die Zukunft, ſondern dachten an die er⸗ ſehnte Abendmahlzeit, die, von dem Vater zubereitet, ihrer daheim wartete. Die Kinder betrachteten das ihrer har⸗ rende Mahl als eine Schadloshaltung für das heutige

Mittageſſen, das nur aus trocknem Brote und matt ge⸗

wordenem Waſſer beſtanden hatte, jedoch vom Durſt und Hunger gewürzt worden war. Ueberdieß waren die Brot⸗ ſtückchen ziemlich klein und ſehr ſchwarz geweſen, denn bekanntlich zählten die Jahre 1804 und 1805 zu den großen Hungerjahren, wo der Preis des Getreides auf das Vier⸗, ja Fünffache geſtiegen war. Um ſo größer war aber auch die Freude der Familie über den einge⸗ ſammelten Brotſegen, denn in der Noth des Darbens er⸗ kennt man erſt recht den Werth der göttlichen Gnaden⸗ gaben.

Ob ich wohl dreiviertel ſo viel geleſen habe als

unſere Mutter? fragte Valentin, der älteſte Knabe, ſeine nach ihm geborene Schweſter Thereſe.

Dieſe verglich mit den Augen den Inhalt des mütter⸗ lichen Korbes mit der Bündellaſt ihres Bruders und ver⸗ ſetzte dann kopfſchüttelnd:Wo denkſt du hin. Vale! Nicht halb ſo viel!

Ha! Du gönnſt mir's mur nicht rief Valentin ärgerlich aushabe ich mich doch gewiß hunderttau⸗ ſendmal mehr gebückt, wie unſere Mutter, und ſollte nicht halb ſo viel aufgeleſen haben?

Das Bücken allein macht es nicht aus lachte Thereſeſonſt müßte unſere Linel das Meiſte einge⸗ ſammelt haben. Sieh' ihr kleines Bündel an, das ſie ſo