rer mit halblauter Stimme und gab dem Sterbenden mit dem heiligen Salböl die Weihe zur langen Todesreiſe. Griſſard weinte ſtill, während ſein Gewiſſen ihm tauſend ſchmerzliche Dolchſtiche gab, weil auch er ſich zu den einſtigen Quälern der königlichen Familie rechnen mußte. Süperbe dagegen kämpfte ihren Schmerz gewaltſam nieder, um den Scheiden⸗ den den ohnehin harten Kampf nicht noch zu erſchweren. Sie wärmte mit ihren Händen die erkaltende Rechte des königlichen Kindes, welche, wie aus weißem, durchſichtigem Wachs geformt, oben auf der Bettdecke lag. Ein matter Gegendruck bezeugte, daß der Sterbende ſelbſt jetzt noch nicht unempfindlich oder undankbar gegen die liebende Sorg⸗ falt ſei, welche ihm die gebrechliche Süperbe mit der auf⸗ opferndſten Hingebung bisher gewidmet hatte.
Die Mittagszeit kam und verſtrich, ohne daß jemand von den Anweſenden an das Eſſen gedacht hätte.
Eine lautloſe Stille herrſchte jetzt in dem Sterbezimmer. Jeder fühlte die Nähe, nein, die Anweſenheit des erbarmen⸗ loſen Knochenmannes; jeder ſah dem letzten, entſcheidenden Augenblick mit banger Erwartung entgegen. Und er kam, dieſer letzte Augenblick, den jeder Sterbliche einmal er⸗ leben muß.
Der Feuerblick des Prinzen erloſch und das Auge be⸗ gann zu brechen. Noch einmal flammte es auf; noch ein⸗ mal belebten ſich die ſtarren Züge des Leichengeſichts und lächelten ſelig; noch einmal erſchloſſen ſich die feſt auf ein⸗ ander gepreßten Lippen und„Meine— Mutter!“ hauchte mit ſüßem Tone der ſterbende Mund!
Unter dem letzten Seufzer hob ſich die Bruſt des Ster⸗ benden. Um zwei Uhr Nachnittags hatte er ausgelitten.
Der letzte Mord an der unglücklichen Königsfamilie, unblutig zwar, doch der verruchteſte unter allen, war vollbracht!
„Sohn des gemordeten Ludwig“— rief der Pfarrer


