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Des Königs Kind : eine geschichtliche Erzählung für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Süperbe glaubte ihren Doppelgänger vor ſich zu ſehen. Sie faßte ſich ein Herz und reinigte mit lauwarmem Waſſer das Antlitz und die Hände Ludwigs, welcher wieder, ohne ſeine Kleidung abzulegen, ſein Lager beſtiegen hatte. Außer⸗ dem kämmte und reinigte ſie des Prinzen Haar, der ſolches gern geſchehen ließ.

Süperbe würde mit Freuden noch länger in Ludwigs Nähe geblieben ſein, wenn ſolches der ungeduldig außen harrende Wächter geſtattet hätte.

Als der kalte Winter kam, heizte Süperbe den Ofen in des Dauphins Wohnung und ſie hatte dadurch die Genug⸗ thuung, zu ſehen, daß Ludwig nicht mehr ſo oft ſein Lager behauptete, ſondern ſein Tiſchchen in die Nähe des Ofens verſetzte, um dort ſeiner einzigen Unterhaltung, dem Bauen von Kartenhäuſern, obzuliegen. So oft und ſo lange Süperbe durfte, leiſtete ſie dem kleinen Gefangenen Geſell⸗ ſchaft, ſpielte mit ihm und vertrieb ihm die Langeweile durch Erzählen anmuthiger Geſchichten und Mittheilungen über die Dauphine.

Aber alle Bemühungen Süperbe's, ein Lächeln auf Lud⸗ wigs Antlitz, einen freudigen Ausrufüber ſeinebleichen Lippen, ein einziges Scherzwort, ein wirkliches Wohlbehagen hervor⸗ zulocken, blieben vergeblich. Süperbe mußte ſich ſchon glück⸗ lich ſchätzen, daß ſie die Einzige war, in deren Gegenwart der unglückliche Prinz ſein hartnäckiges Stillſchweigen brach.

Süperbe that aber auch noch andere Schritte, um das Schickſal der beiden königlichen Kinder und namentlich des Dauphins zu verbeſſern, indem ſie einflußreichen Perſonen den Zuſtand des armen Prinzen in beweglicher Weiſe mit⸗ theilte. Hierdurch brachte ſie es ſo weit, daß die Regierung endlich drei Beamte abſendete, um die Lage des Dauphin einer genauen Beſichtigung zu würdigen. Jene Männer hießen Harmand, Mathien und Reverchon und waren Mit⸗ glieder des Sicherheitsausſchuſſes.