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„Soll ich ihr keinen Gruß von Ihnen überbringen?“ fragte Süperbe—„Haben Sie ihr nichts außerdem zu ſagen?“
„Ja, ja, grüße ſie von mir“— verſetzte Ludwig— „und fage ihr, daß ſie meinetwegen nicht in Sorge ſein ſolle. Du ſiehſt ja ſelbſt,“— fuhr er mit wehmüthigem Lächeln fort—„daß es mir jetzt nicht ſchlecht hier geht. Der Bürger Simon iſt nicht mehr mein Wächter.“
„Wiſſen Sie,“— ſprach Süperbe—„daß er ſeinen Sündenlohn unter der Guillotine empfangen hat wie Alle, die Sie und Ihre Familie ſo grauſam verfolgten?“
Der Dauphin ſchauderte zuſammen.„Ich vergebe ihm“ — murmelte er halblaut.—„Möge auch Gott ihm vergeben!“
„Erlauben Sie mir,“— fuhr Süperbe fort—„daß ich Ihr Angeſicht und Ihre Hände mit einem feuchten Schwamm überfahre. Der Staub, welcher darauf liegt, muß Ihnen nachtheilig werden.“
„Ach, laß mich zu Bett!“ entgegnete der Dauphin— „ich bin müd', ach, ſo müd'! Hier friert mich.“
Und Ludwig erhob ſich von ſeinem Sitze und wankte ſeinem Lager zu.
Welch' ein jammervolles Bild der einſt ſo blühende, muntere und geiſtgeweckte Dauphin gegenwärtig vorſtellte! Wie der Mangel an freier Luft, an Bewegung, geregelter Koſt und geſelliger Unterhaltung in wenig Jahren nach⸗ theilig auf ein Kind einwirken und daſſelbe zu ſeinem Nach⸗ theile umgeſtalten kann! Nur das Haupt des Dauphins mit ſeinen edlen Geſichtszügen und ſchönem Haar war noch das alte, jedoch das Antlitz ohne einen Blutstropfen. Die Achſeln waren hoch herauf gezogen und zuſammengepreßt, die Arme, wie die Beine, lang und dünn, die Bruſt ſchmal und in der Mitte erhöht wie eine Hühnerbruſt, der ganse Körper kurz und deſſen unterer Theil ungewöhnlich aufge⸗ trieben, die Gelenke der Arme und Beine geſchwollen wie bei der engliſchen Krankheit. 8


