nur deinem Fraße nach, der eben nicht der angenehmſte iſt. Wie viele Monate im Jahre ſchläfſt du wie todt in der kalten Erde und kein hübſches Kleidchen kommt auf deinen nackten Leib!“
„Was betrachteſt Du da ſo aufmerkſam, mein Kind?“ fragte jetzt eine männliche Stimme, deren Ton eben ſo wohl⸗ lautend als väterlich klang. Süperbe richtete ſich raſch auf, näherte ſich dem Frager und küßte demſelben unter einem tiefen Knixe die Hand.
„Herr Amboiſe“— ſprach ſie ehrfurchtsvoll zum Pfarrer von Miraille—„ich betrachtete zwei arme Regenwürmer und freute mich dabei, daß mich der liebe Gott zu einem Menſchen geſchaffen hat.“
„So iſt's recht!“ lobte Herr Amboiſe—„Wenn jeder
Menſch immer ſeinen vollen Werth erkennte, würde er weit
zufriedener mit ſeiner Lage ſein und nicht in die Verſuchung kommen, den Schooßhund einer vornehmen Dame zu benei⸗ den, weil derſelbe auf ſeidenen Decken und in einem ſchönen Zimmer liegen darf, auch reichliche Nahrung zugetheilt be⸗ kommt. Wenn aber der Menſch, auch der ärmſte, weit mehr werth iſt, als jedes andere Geſchöpf, ſo iſt wieder unter den Menſchen der Chriſt derjenige, welcher unſerm Herrgott den meiſten Dank ſchuldet. Wenn es unſerm Gutsherrn ein⸗ fiele, Dich und Deinen Oheim auf's Schloß zu Gaſte einzu⸗ laden: würdet ihr das nicht für eine große Ehre halten und Euch auf das gute Eſſen freuen? Die Chriſten aber hat unſer Herrgott zu einem Himmelsſchmauſe eingeladen, der nicht bloß einen Tag lang währt, ſondern in alle Ewigkeit fortdauert. Wenn wir uns nun hier auf Erden baß ge⸗


