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Des Königs Kind : eine geschichtliche Erzählung für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Flammen zu retten! Dieſes geſchäftige Gewühl bot ein ſo anziehendes Bild dar, daß Süperbe, ihres Zorns vergeſſend, zur aufmerkſamen Zuſchauerin wurde.

Gar nicht lange währte es, ſo waren ſämmtliche Pup⸗ ven verſchwunden und geſichert. Mit den zwei Vorderbeinen hatten die Ameiſen dieſelben umklammert, wie wir Menſchen mit unſern Armen ein großes Bündel umfaſſen und davon getragen. Wurde einer Ameiſe die Laſt zu ſchwer, ſo packte eine zweite die Bürde mit an, und dann ging's über Stock und Stein, das heißt: über kleine Hügel und eben ſolche Thäler hinweg. Nachdem die junge Brut geborgen war, machten ſich zahlreiche Schaaren auf, um die Störerin ihrer Ruhe mit Krieg zu überziehen und zu beſtrafen. Es half nichts: wollte Süperbe nicht neuen Stichen und Schmerzen ausgeſetzt ſein, ſo mußte ſie vor den winzigen Feinden, welche furchtloſer, als jetzt die Türken gegen die Ruſſen, auf ihre rieſige Gegnerin eindrangen, die Flucht ergreifen.

Schäme Dich! ſprach Süperbe zu ſich ſelbſt.Vor wem biſt Du geflohen? Vor einer kleinen Kröte, vor zwei noch kleineren Regenwürmern und vor noch viel winzigeren Ameiſen!

Nicht weit von dem Ameiſenhaufen blieb Süperbe ſtehen und hatte Acht, ob ſie noch ferner von den Ameiſen verfolgt würde. Da bemerkte ſie zwei dieſer Thierchen, welche eine Faſer, die aber, im Verhältniß zu ihrer Kleinheit und Schwäche, einen zwanzig Ellen langen und eine Elle dicken Holzbalken glich, über das kurze Gras nach ihrem Neſte zu ſchleppen bemüht waren. Der Weg war äußerſt anſtrengend,

denn er führte unaufhörlich über ſteile Berge und tiefe Thä⸗ Nieritz. Des Königs Kind. 2