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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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eher noch durch ſein Beiſpiel meine Enkelin verderbt, als daß er ſich durch ſie zum Guten leiten läßt. Könnte ich ihn doch ſeinen Mitſchuldigen nachſchicken!“

Frau Margarethe dagegen machte es wie der Gärtner, welchem ſein Herr gebot, einen unfruchtbaren Baum um⸗ zuhauen, weil derſelbe das Land hinderte.„Herr, habe Geduld“— bat jener,—„bis daß ich um ihn grabe und ihn dünge. Trägt er dann noch keine Frucht, ſo ge⸗ ſchehe nach Deinem Willen.“

Mit dem Umgraben und Düngen aber meinte Frau Simpſon das gute Beiſpiel ihrer kleinen Enkelin, ihre eigenen Wohlthaten, die ſie fort und fort dem Geneſenden erwies, und endlich das göttliche Wort der Bibel, aus welcher ſie für Wilkins paſſende Abſchnitte zum abend⸗ lichen Vorleſen wählte. Dieſe beſtanden hauptſächlich in dem Leben, den Thaten und Lehren unſeres Heilands, unter welchen die Geſchichte von dem verlorenen Sohne mit obenanſtand. Was dabei für Kinderohren noch dunkel blieb, wurde durch Fanny's naive und verſtändige Fragen, welche deren Großmutter manchmal kaum richtig zu beant⸗ worten vermochte, vollends aufgeklärt, ſo daß jene abend⸗ lichen Vorleſungen zu einem eindringlichen Religionsun⸗ terricht wurden, bei welchem jedoch der Kranke ein ſtummer, ſcheinbar theilnahmloſer Zuhörer blieb.

Sechs Wochen waren ſeit Fanny's Ankunft ziemlich zu Ende gegangen und Wilkins Kräfte wieder gewachſen, ſo daß er ſeit ſechs Tagen ſein Krankenlager verlaſſen hatte. Da ſeine Strafzeit mit der ſeiner drei bereits ent⸗ laſſenen Mitgenoſſen vorüber war, ſo hatte er auf Mar⸗