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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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zu ſehen, dann aber widmete er ſeine Zeit und ſeine Kenntniſſe anderen Kranken Norwichs, welche beſſer zahlten als die Bewohner des Gefängniſſes. Wilkins ſchwebte lange in Todesgefahr, in welche ihn hauptſächlich die überſtarke Blutabzapfung, ſowie ſein kraftloſer Körper verſetzt hatten. Ohne die ſorgliche, aufopfernde Abwartung der Frau Simpſon wäre der Knabe verloren geweſen. Trotzdem blieb derſelbe verſchloſſen, wortkarg und zeigte keine Regung von Dankgefühl gegen ſeine Wohlthäter. Ganz das Gegentheil von ihm war Fannh, welche jede Gabe aus der Hand ihrer Großältern mit Dankſagung empfing und dieſelbe durch allerlei kleine Dienſte, wie ſolche ihre ſchwachen Kräfte geſtatteten, zu vergelten ſuchte. Wilkins war der tägliche Augen- und Ohrenzeuge von der Folgſamleit, Dankbarkeit und Frömmigkeit des Kindes, das überdieß durch ſeine Geiſtesfähigkeiten weit ältere Kinder in den Schatten ſtellte.

Vier Wochen ſchon hatte Wilkins im Bette zugebracht, als Simpſon zu demſelben trat und ſprach:

„Heute werden Deine Mitgefangenen, Dibbh, Stoopps und Arkley, ihrer Haft entlaſſen. Haſt Du Luſt, ſie noch einmal zu ſehen und zu ſprechen? Oder ihnen einen Auf⸗ trag an Deine Aeltern, wenn Du deren noch haſt, zu er⸗ theilen?“

Stumm ſchüttelte der Knabe das Haupt und ver⸗ gebens wartete der gute Kerkermeiſter auf eine genauere Antwort.

„Der Bube iſt unverbeſſerlich!“ brummte Simpſon,

indem er das Zimmer verließ.„Ich fürchte, daß er