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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Dann aber fragte ſie:„Großmutter, wo haſt Du denn mein Waſchwaſſer? Wenn ich mich nicht erſt gewaſchen habe, darf ich nicht frühſtücken, und mich hungert doch ſchon recht darnach. Aber kalt, recht kalt muß das Waſſer und friſch vom Brunnen weg ſein. Sonſt ſtärkt's nicht, ſpricht meine Mutter.“

Eine ſolche Sprache hörte die Großmutter gern und ſie beeilte ſich, ihrer Enkelin den Willen zu thun. Nach⸗ dem dieſe ihr Antlitz, den Hals, die Bruſt, die Hände und Arme gewaſchen und abgeſpült hatte, fragte ſie: „Wäſcht ſich denn der kranke Junge nicht auch?“

„Er würde es thun, wenn er nicht dazu zu ſchwach wäre“— erwiederte Frau Simpſon, welcher dieſe Frage Waſſer auf ihrer Mühle war.

„Aber er ſieht recht ſchmuzig im Geſicht und auch an den Händen aus“— fuhr Fanny fort und ſchüttelte ſich wie vor Ekel.

„Du haſt recht, Kind!“ ſprach Frau Simpſon.—„Und ich werde, weil Wilkins ſelbſt es nicht vermag, die Wäſche an ihm vornehmen. Doch nicht mit ganz kaltem Waſſer, weil er im Fieber liegt.“

Das Waſchen begann, unter welchem Wilkins fürch⸗ terliche Geſichter ſchnitt. Gern hätte er ſich widerſetzt, wenn es ihm hierzu nicht an Kraft gefehlt und er ſich nicht vor Fanny geſchämt hätte, welche aufmerkſam zuſah und der Großmutter manche Handreichung leiſtete. Ja, er fuhlte ſich nach beendigter Wäſche, welche ſeine Haut von einer Schmuzrinde befreite, viel leichter und wohler. Dieſes ſtille Wohlbehagen verwandelte ſich jedoch bei de