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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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ſah und dieſes mit dem bleichen, abgezehrten und von Leidenſchaften entſtellten Geſicht des Kranken verglich, er⸗ hob ſie dankend ihre Hände zum Schöpfer empor und ein unbeſchreiblich ſeliges Gefühl erfüllte das großmütter⸗ liche Herz.

„Laß ſie Dein ſein und bleiben, Du treuer Gott und Herr!“ flehte Margarethe halblaut und hauchte einen Kuß auf des Mädchens feucht glänzende, reine Stirne.„Und jenes verlorene Schaf“— fuhr ſie lauter fort—„führe Du auf die rechte Weide zurück! Wehe, wehe der un⸗ glücklichen Mutter, wenn ſie durch eine ſchlechte Erzie⸗ hung die Schuld an dem Verderben ihres Kindes trägt!“

Als hier Frau Simpſon genauer nach dem Kranken ſah, ſtarrte dieſer ſie mit offenen Augen groß an.

„Willſt Du etwas, Kind?“ fragte Margarethe ſanft.

„Trinken!“ ſprach Wilkins matt. Er trank begierig und legte ſich dann mit geſchloſſenen Augen zurück. Am andern Morgen war Fanny, noch ehe ſie die Großmutter zu wecken kam, ſchon munter und in ihren Kleidern.

Frau Simpſon hörte, wie das Kind abermals ſein Morgengebet vernehmlich herſprach, das alſo lautete:

„Der liebe Morgen zeigt ſich wieder; Drum ſing' ich frohe Dankeslieder Dir Herrn der ganzen Welit. Behüte mich am heut'gen Tag,

Daß mich die Sünde fliehen mag, Gern thu', was Dir gefällt.“

Nach dem„Amen“ kam Fannh fröhlich geſprungen, um erſt die Großmutter und dann den Großvater zu küſſen. Der Kerkermeiſter von Norwich. 3