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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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hob ihre Augen voll Andacht gen Himmel und ſprach mit Innigkeit:

„Meine Augen ſchließ ich zu,

Vater, gieb mir ſanfte Ruh.

Laß mich, wie die guten Engelein

Immer fromm und folgſam ſein.

Schütze meinen Lebenslauf,

Nimm mich in den Himmel auf! Amen!“

Hierauf küßte Fanny ihre Großältern und begab ſich in ihr Bette.

„Wie ſehr danke ich Gott,“— hob Simpſon ge⸗ rührt und mit leiſer Stimme an,—„daß unſere Enkelin nicht iſt, wie jener kranke Bube dort. Haſt Du von dieſem ſchon einmal den Namen Gottes im Munde führen hören, geſchweige ein Gebet von ihm vernommen? Es freut mich von unſerer Charlotte, daß ſie ihre Kinder zur Frömmigkeit und zum Beten anhält. Das hat ſie Dir zu danken, liebe Grete!“

„Da haſt Du ſchon einen Lohn für das dem fremden Knaben erwieſene Gute“— erwiederte Frau Simpſon— „denn ohne den ſchroffſten Gegenſatz, den er zu unſerer Enkelin bildet, würdeſt Du gewiß mit weniger Dank er⸗ kannt hahen, welch einen großen Schatz wir an unſeren wohl gerathenen Kindern und Enkeln beſitzen.“

Frau Simpſon begab ſich heute nicht zur Ruhe, ſon⸗ dern blieb die Nacht hindurch auf, um den kranken Knaben zu pflegen und zu bewachen. Als ſie ihre Enkelin mit ſanft gerötheten, vollen Wangen, mit geſchloſſenen Augen, leicht

geöffnetem Munde und einem roſigen Engelsantlitz daliegen

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