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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Hand leiſtete und ſpäter den Patienten aus deſſen Zelle in die Wohnſtube tragen half. Kaum war ſolches ge⸗ ſchehen, ſo wurde die Klingel an der Thüre des Gefäng⸗ nißhauſes ſtark bewegt und bald nachdem Simpſon zu öffnen gegangen war, kehrte er in Begleitung einer jungen Frau und eines etwa fünf bis ſechsjährigen Mädchens zurück.

„Charlotte, Du?“ rief Frau Margarethe unter freu⸗ digem Erſtaunen aus.„Welche unverhoffte Freude! Und auch meine kleine, lirbe Fanny beſucht einmal ihre Groß⸗ ältern? Gieb mir einen Kuß, mein herziges Püppchen!“

Nach der gegenſeitigen Begrüßung ſprach die junge Frau, die verheirathete Tochter des Simpſonſchen Ehe⸗ paares:„Meine Schwägerin Mincolm in Littleton hat mich gebeten, ſie in ihren Wochen abzuwarten, und darum bin ich jetzt auf dem Wege dahin. Den kleinen Umweg über Norwich habe ich deshalb gemacht, um euch zu bitten, einſtweilen meine Fanny zu behalten, die ich weder allein zu Hauſe laſſen, noch bei meiner Schwägerin gebrauchen koͤnnte. Ihr wißt, daß mein Mann den Tag über mit unſern beiden ältern Söhnen in den Eiſenhütten von Evanshire beſchäftigt iſt und daß ein Kind von Fanny's Jugend nicht in eine Wochenſtube paßt. Aber da ſehe ich ja ein Bett ſtehen und ſchon ein Kind darin liegen! Wer iſt es denn und welche Bewandniß hat es mit dem⸗ ſelben?“ 3

„Es iſt ein unglucklicher Knabe“— antwortete Frau Simpſon—„und todtkrank. Deshalb haben wir ihn für kurze Zeit bei uns aufgenommen. Das hindert uns