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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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„Biſt Du von Sinnen, Weib?“ rief Simpſon aus. „Einen Gefangenen und Verbrecher, einen Trotzkopf und Undankbaren willſt Du in unſere Wohnung aufnehmen? Ha! da hab' ich ein Wörtchen mit hineinzuſprechen und das lautet: Nein, nein und nochmals nein!“

„O, ich kenne Dich beſſer,“— verſetzte Frau Simpſon —„Du gleichſt genau dem Sohne in der Bibel, zu welchem ſein Vater ſagte: Mein Sohn, gehe heute hin und arbeite in meinem Weinberge— und welcher hierauf erwiederte: Ich mag's nicht thun. Hinterher reute ihm ſolches und er ging hin und that, wie ihm ſein Vater geheißen. Der gefangene Wilkins kann jetzt nicht ent⸗ ſpringen, weil er dazu die Kraft nicht beſitzt. Und einen Verbrecher erblicke ich gegenwärtig nicht in ihm, ſondern unſern— Heiland, welcher ſpricht: Was ihr gethan habt dem geringſten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir gethan. Trotzig und undankbar hat ſich zwar der Bube bisher gegen uns bewieſen; aber wenn wir nur denen Gutes erzeigen, die gegen uns erſt freundlich und liebevoll geweſen ſind, ſo haben wir unſern Lohn dahin. Man muß nichts halb thun. Haben wir bei Wilkins,

d wir den Doctor herbeiriefen, Ageſagt, ſo müſſen wir

auch B ſagen.“ „Schade, daß Du kein Geiſtlicher geworden biſt,“ ſpottete Simpſon.„Du ſprichſt, wie ein Buch, und die Bibel haſt Du im Kopf trotz einem Theologen.“ Daß Frau Margarethe hinſichtlich ihres Mannes Recht hatte, bewies dieſer dadurch, daß er ſeiner Frau jetzt in der Bereitung einer Lagerſtätte für Wilki