138 gefüllten, jedoch feſt verſchloſſenen Sparbüchſe ſtand, ſo glich ſie einem Durſtigen, der zwar eine ſilberhelle Quelle vor ſich ſieht, aber nicht daraus trinken darf.
Als nun das Mädchen eines Nachmittags wiederum ihre Sparbüchſe mit heftig verlangenden Blicken betrachtete, ſtampfte Pommrich mit Haſt in das Dachſtübchen ſeines einbeinigen Kameraden herein.
„Haſt du's ſchon gehört, Guſte!“ rief er aus—„daß meine alte, geizige Hauswirthin, deine Sparbüchſenſchen⸗ kerin, dieſen Mittag vom Schlage getroffen worden und auf der Stelle todt geweſen iſt? Hab' ich's doch gleich geſagt, daß ihr Ende nahe wäre, weil ſie dich mit zehn blanken Sil⸗ berthalern beſchenken konnte. Um dir die Neuigkeit brüh⸗ warm zu hinterbringen, bin ich von meiner Federmaſchine weggelaufen, die mein Ferdinand indeß bedient. Neugierig bin ich nur, wer ſie beerben wird. Ich nicht, ſo viel iſt ge⸗ wiß. Na, Gott befohlen! Ich muß wieder fort. Einen ſchönen Gruß an deinen Großvater. Adje!“
Staunend und betroffen blickte Auguſte dem Stelzfuße nach. Trauer oder Schmerz war es eben nicht, was die Nachricht von dem plötzlichen Ableben der Frau Schietzel in des Mädchens Herz hervorgebracht. Sie hatte nur diejenige Anhänglichkeit gegen die Verſtorbene gefühlt, die der Menſch gegen eine von ihm aus Lebensgefahr errettete Perſon zu hegen pflegt. Das Geſchenk der Sparbüchſe nebſt den 10 Thalern hatte das Mädchen aus dem Grunde zu keiner großen Dankbarkeit und Liebe gegen die Geberin entflammt, weil ja Auguſte eigentlich nicht als Herrin über dieſes ihr Eigenthum ſchalten und walten durfte. Dieſe Beſchränkung
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