Worin dieſelbe beſtehen ſolle, darüber war Auguſte keinen Augenblick in Ungewißheit. Das ſagte ihr ein Blick auf den Vogelbauer, welcher dem erfrornen Kanarienvogel des In⸗ validen zur Wohnung gedient hatte und nun unbenutzt neben Auguſtens Bette ſtand. Woher aber das Geld für ein anzu⸗ kaufendes Kanarienhähnchen nehmen? Zwar hatte Auguſte bei ihrem erſten Beſuche der Richthauſenſchen Familie von derſelben mancherlei werthvolle Geſchenke erhalten, jedoch kein Geld. Sie war von der gnädigen Frau umarmt und geküßt worden, deren Kinder hatten mit einander gewett⸗ eifert, durch Liebkoſungen, Schmeichelworte und allerlei Gaben Auguſten das ihr zugefügte Unrecht vergeſſen zu machen. Ein andrer Herr als der Oberſtleutnant von Richthauſen hätte vielleicht die dem Nadelfinder zugedachten 25 Thaler Auguſten als Schmerzensgeld überlaſſen. Allein der Oberſtleutnant hatte ſeine guten Gründe, ſo etwas nicht zu thun. Wohl aber führte er Auguſte Herrn Purfürſt wieder zu, welcher bereits deren Schuldloſigkeit durch das Tageblatt erfahren hatte, und verbürgte ſich bei demſelben für die regelmäßige Entrichtung des Schulgeldes. Auguſtens frühere Mitſchülerinnen empfingen das nun⸗ mehr gerechtfertigte Mädchen mit großer Freude, und die⸗ jenigen Aeltern, welche vorher auf Auguſtens Ausweiſung gedrungen hatten, ſuchten ihr begangenes Unrecht durch Ein⸗ ladungen Auguſtens zu allerlei Feſtlichkeiten und Schmau⸗ ſereien wieder gutzu machen. Ihr aber ein Kanarienvögelein oder den Kaufpreis dafür zu ſchenken, ſiel niemanden ein, weil man Auguſtens heißenſten Wunſch nicht kannte. Wenn Auguſte ſinnend und faſt ärgerlich vor ihrer ſilber⸗
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