130 „mein Herr zieht ſich eben an, um zur Excellenz des Herrn Kriegsminiſters ſich zu begeben. Was will er bei meinem Herrn? Faſſe er ſich kurz! Aber ſo viel ſage ich ihm voraus, daß heute nicht, ſondern nur Sonnabends, Almoſen aus⸗ getheilt werden.“
„Meint der Musje etwa, daß ich Bettelns wegen ge⸗ kommen ſei?“ fragte Pommrich mit krauſer Stirne.„Dann hat er weit neben das Schwarze geſchoſſen. Aber ich beſitze eine Springwurzel, die mir hier alle Thüren aufſchließen und mich, trotz ſeiner Rede, vor ſeinen Herrn hinbringen wird. Kennt er das, he?“
Pommrich hielt hierbei dem Diener die glitzernde Schmuck⸗ nadel unter die Augen.
„Himmel!“ rief jener freudig erſchrocken aus—„die vermißte, theure Buſennadel unſerer Gnädigen!“ Und er ſtreckte ſeine Hand begehrlich nach dem Kleinod aus.
„Hand von der Butter!“ gebot Pommrich lachend und wies des Dieners Rechte zurück.„So haben wir nicht ge⸗ wettet. Wird er mich denn nun vor ſeinen Herrn laſſen, he? Oder ſoll ich mit der Nadel wieder rechts um kehrt machen?“
Wirklich erwies ſich die Nadel als eine Springwurzel oder als ein Talismann, welcher den Diener nicht nur höf⸗ lich machte, ſondern auch den Stelzfuß in der nächſten Mi⸗ nute ſchon vor den in ſeinem Anputz begriffenen Oberſt⸗ leutenant führte.
Man kann ſich vorſtellen, welche freudige Beſtürzung das unverhoffte Wiederfinden der Schmucknadel, namentlich bei der Frau von Richthauſen, hervorbrachte. Mit jener zugleich vermiſchte ſich aber auch das Bedauern und die Reue,
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