Druckschrift 
Die drei Invaliden oder Die Sparbüchse / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

123

Wäre ich doch bei meinem Leiſten und demnach auch bei meinem Hänschen geblieben! Wäre doch die Federanſtalt geblieben, wo der Pfeffer wächſt!“

„Was koſtet denn ein Kanarienvogel?“ fragte Thomas.

„Eine Sie, die nicht fingt—“ verſetzte Pommrich— „kann man für ein paar Groſchen haben. Aber ein Hähn⸗ chen, wie mein geſtorbenes, bekommt man ſchwerlich für einen Thaler. Ach, und dann wäre es doch immer nicht mein liebes, kirres Hänschen.“

So klagte Pommrich und ging zuletzt, den Vogelbauer zurücklaſſend, mit ſeinem todten Vögelein davon.

„Jetzt möchte ich, auf eine Viertelſtunde nur, Frau Schietzel ſein—“ ſprach Thomas nach ſeines Freundes Weggange zu ſeiner Enkelin.„Dann ginge ich über meinen Mammon und kaufte dem armen Pommrich ein an⸗ deres, ſingendes Kanarienhähnchen.“

„Und ich wollte—“ erwiederte Auguſte—„daß ich den Schlüſſel zu meiner Sparbüchſe hätte. Auf einen Thaler käme mir's nicht an und für neun Thaler käme ich immer noch ehrlich unter die Erde.“

„Ja, wenn das Wörichen„Wenn“ nicht wäre!“ ſchloß Thomas ſeufzeud.

„Ich will morgen gleich mein Glück bei der Frau Schietzel verſuchen—“ ſprach Auguſte zu ſich ſelbſt.„Viel⸗ leicht ſchenkt ſie mir, wenn ich ihr Pommrichs Unglück und Trauer über ſeines Mätzchens Tod beſchreibe, das Geld zu einem Kanarienhähnchen oder überläßt mir wenigſtens den Schlüſſel zu meinem Schatze“

Das Mädchen fand die alte Frau in ihrem Stübchen