112 „Geraſet und getobt haſt du“— ſiel Ferdinand mit wenig Schonung und Vorſicht ein—„daß wir zwei dich kaum im Bette erhalten konnten. Und dazu phantaſirt, daß man über das pudelnärriſche Zeug hätte lachen können, wäre es nicht ſo zum Weinen und bedenklich geweſen.“
Auguſte winkte ihrem Großvater durch ihre erhobene Hand, daß er ſein Ohr zu ihrem Munde niederbeugen ſollte. In daſſelbe ſprach ſie flüſternd:„Iſt das nicht die garſtige Frau Schietzel? Von dieſer hat mir Schlimmes geträumt. Ich ſchuppte und ſchlug ſie in der Meinung, daß ich Ferdi⸗ nanden vor mir hätte. Darauf fiel ſie um, wie ein Nußſack und helle Feuerfunken und Flammen brachen unter ihren Beinen hervor, die mir die Hände verbrannten, wie einſt das Schießpulver Ferdinands Geſicht.“
„Schlage dir dieſe häßlichen Träume aus den Gedan⸗ ken!“— bat Thomas.
Guſte aber fuhr fort:„Iſt's denn wirklich nur ein böſer Traum geweſen, daß ich bei Richthauſens eine theure Schmuck⸗ nadel geſtohlen haben ſoll? Daß die Polizei hier bei uns war und meine Sparbüchſe gegen die Wand warf, daß ich nicht mehr zu Herrn Purfürſt in die Schule gehen darf und daß meine Wäſchekunden abgeſprungen find?“
„Ja“— erwiederte Thomas verlegen—„du haſt recht ſchlimm geträumt. Darum denke an etwas Anderes und Luſtigeres.“
Hier fiel Ferdinand abermals rüchſichtslos ein: deinen Richthauſens habe ich's eingetränkt, daß ſie für immer genug
daran haben und nicht ſobald wieder ein armes, unſchuldiges
Kind fälſchlich anklagen werden. Von dem Tage an, wo ich bei


