105 fende Stellung angenommen habe, um dadurch das Mädchen zu foppen. Gleiches mit Gleichem zu vergelten, verſetzte Auguſte mit ihrem Knie dem Stuhle einen kräftigen Schub und mit der Fauſt dem vermeintlichen Ferdinand einen derben Schlag auf die Schulter, wobei ſie ausrief:„Ach Ferdinand, verſtelle dich nicht! Mir vergeht jetzt aller Spuk!“ Der Schub oder Knieſtoß gegen den alten Stuhl war ſo ſtark geweſen, daß der morſche Tiſch, welcher, wie ſich nachher auswies, auf nur drei Beinen ſtand, umfiel und der darauf gelegene Kopf ſammt deſſen Inhaber jenem nach und zu Boden ſtürzte. Dort blieb der letztere, ohne ſich zu rühren, wie ein Häuflein Unglücks liegen. Aber da, wo ſeine Füße lagen, ſchüttete ein mit ihm zugleich umgeſtürster Kohlentopf einen Regen von Feuerfunken und Aſche aus und im nächſten Augenblicke loderten die längſt ſchon bis zum Anbrennen er⸗ hitzten Untertheile mehrere Frauenröcke, welche den ver⸗ meinten Ferdinand nunmehr als eine Frauensperſon erkennen ließen, in hellen Flammen auf.*
Erſchrocken bis zum Tode, aber dennoch auch entſchloſſen und eine löbliche Geiſtesgegenwart bewahrend, löſchte die Urheberin des Feuers den Brand und zwar ohne alle Rück⸗ ſicht auf ihre dadurch gefährdeten und übel von den Flammen mitgeſpielten Hände. Hierauf erfaßte ſie die leblos ver⸗ harrende Beſitzerin des Hauſes, die dem Leſer bereits be⸗ kannte Frau Schietzel, und ſchleifte ſie aus dem Bereiche eines ſich mehrenden Qualms und einer erſtickenden Atmo⸗ ſphäre hinaus in den Hof. Hier rief das Mädchen einigemal mit
aller Kraft ihrer Stimme:„Hülfe! Hülfe! Feuer! Feuer!“—
dann ſank auch ſie überwältigt von den vielen auf ihr Gemüth


