103 belohnt, durch denſelben Verdacht ihrer Kundſchaft, ihrer ſo theuren Schule und ihres guten Namens beraubt! O wie gern wäre ſie jetzt geſtorben! Wie gern bei ihrer lieben Mutter im ſtillen Grabe geweſen! Wie gern hätte ſie deren ſeligen Zuſtand getheilt, der ſie nach den Verheißungen des Chriſtenglaubens allem Erdenleid entrückt haben würde! Wenn Auguſte nur ihren brennend nagenden Schmerz aus⸗ weinen, in ein anderes theilnehmendes Herz hätte ausſchütten können! Allein ihre Augen waren, wie ihr Mund und ihr Hals, trocken erhitzt, und ihrem Großvater den Schmerz über die ſo eben erlittene Wehthat mitzutheilen, wollte ſie um deſſen Schonung willen nicht. Gleichwohl lechzte ihr in den Staub getretenes Gemüth nach Linderung und frem⸗ den Troſt, wie der durſtige Hirſch nach friſchem Waſſer.
Nachdem das arme Kind der Straßen mehrere in ſeiner Verzweiflung durchrannt hatte, und in mehr wie ein Haus getreten war, um dort in einem Winkel durch Händeringen und unterdrückte Aufſchreie ſein ſchwerbelaſtetes Herz zu erleichtern, nahm es ſeinen Weg nach dem Hauſe der gräm⸗ lichen Frau Schietzel, in deſſen Hintergebäude Pommrich nebſt ſeinem Enkel gewohnt hatte. Hatte! denn bereits ſeit Michael war der Invalide ausgezogen, weil er ſich nicht zu Entrichtung eines höheren Miethzinſes verſtanden gehabt hatte. Nur mit ihrem Schmerse, der wie ein verzehrendes Feuer in ihrem Innern brannte, beſchäftigt und zugleich an denjenigen denkend, welcher ihr denſelben tragen helfen ſollte,— an Ferdinand Pommrich,— ſchritt Auguſte durch die ziemlich dunkle Hausflur nach dem nur wenig helleren Hofe, in deſſen Anbau ſie jenen ihren einzigen näheren


