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„Da kannſt du abermals von deiner ſeligen Mutter lernen und deren Beiſpiel dir zum Muſter nehmen“— ſprach Thomas, den Auguſte vor das herausgezogene Kom⸗ modenfach hergerufen hatte, um ihm die darin herrſchende Ordnung zu zeigen.„Ich wette, daß manche Feldwebels⸗ frau zwar einen Kleiderſchrank mit eitelm Flitterſtaat voll⸗ hängen hat, ob ſie aber ſo viele Wäſche beſitze, wie meine ſelige Jette, bezweifle ich gar ſehr. Reine, ganze Wäſche ſagte deine Mutter oftmals, iſt das halbe Leben und eine wahre Wohlthat für den menſchlichen Körper. Weißt du nicht, Guſte, ob deine Mutter jemandem etwas ſchuldig ge⸗ blieben iſt? Etwa dem Seifenſieder, oder im Waſchhauſe, oder in der Mangelkammer, im Büdchen, beim Bäcker oder ſonſt wo? Zwar hat ſich bis jetzt noch niemand gemeldet und
Bezahlung begehrt, ſolches aber vielleicht nur aus Schonung
unfrer Trauer einſtweilen unterlaſſen.“
„Meine Mutter iſt niemandem etwas ſchuldig“— ant⸗ wortete Auguſte beſtimmt—„das weiß ich genau. Noch den Mittag vor ihrem Tode hörte ich ſie ſprechen: Gott Lob! daß ich keine Schulden habe!“
„So denken und ſprechen jetzt ſehr wenige Menſchen!“ ſeufzte Thomas.„Darum folgen ihnen aber auch die ärg⸗ ſten Verwünſchungen nach, wenn ſie, ohne ihre Schulden bezahlt zu haben, plötzlich dahinſterben. Doch Guſte, da ſehe ich die beiden Wäſchbündel liegen, welche meine Kame⸗ raden, Pommrich und Hauthal, hier zurückgelaſſen haben. Trage ſie ihnen nur wieder hin und bedeute beiden, daß ſie ſich um eine andere Wäſcherin zu kümmern hätten, denn mit dieſem Erwerbzweige iſt's nun bei uns vorbei. Guſte!


