20 Und Beides iſt deiner ſeligen Mutter zu Theil worden. Lebe und handle wie ſie, damit dir bei deinem Scheiden von dieſer Welt ein gleiches Loos falle.“
Das zweite Rapitel.
Ein Freundſchaftsdienſt.
Am andern Tage nach dem Begräbniß ſeiner Tochter ſprach Thomas zu ſeiner Enkelin:„Du haſt bisher immer die Wäſchzettel für deine ſelige Mutter geſchrieben. Dieſe Arbeit hört nun auf. Aber ich will dir jetzt eine andere übertragen. Durchſuche die alte Kommode deiner Mutter und ſchreibe genau auf, was du findeſt. Sollte fremde Wäſche darunter ſein, ſo müſſen wir dieſelbe ihren Eigen⸗ thümern zurückgeben. Ueber den Nachlaß deiner Mutter aber ſteht uns das Verfügungsrecht zu.“
Guſte ging alsbald an das ihr übertragene Geſchäft. Dabei überzeugte ſie ſich auf's Neue von der Ordnungsliebe ihrer verſtorbenen Mutter. Alles lag in der ſchönſten Ord⸗ nung und Reihenfolge in ihrer Kommode; kein Stück ein⸗ geſchmuzte Wäſche unter der reinen, zierlich gemangelten oder geplätteten. Was der Geſtorbenen nicht angehörte, war beſonders gelegt, mit einem Band unſchlungen und mit dem Namen des eigentlichen Beſitzers bezeichnet. Kein Stück war zerriſſen, kein Strumpfpaar durchlöchert, ſon⸗ dern Alles nett ausgebeſſert, angeſtickt oder ſauber geſtopft.


